Printausgabe Nassauische Neue Presse vom 14.09.2004

Prost! Die drei Freunde vom Dickericher Brunnen-Bräu

Von Bernd Bude

Limburg-Dietkirchen. Dass in verschiedenen Ortschaften Schnaps selbst gebrannt wird, ist fast schon eine Selbstverständlichkeit. Limburg und Bierbrauen ist eigentlich auch nichts ungewöhnliches, denn die Limburger Brauerei Busch in der Frankfurter Straße braute über Jahrzehnte ihr schmackhaftes "Busch Bier" und später das "Golden Busch". Dass jedoch in Dietkirchen seit einiger Zeit Bier gebraut wird und dies auch noch in den verschiedensten Variationen, das dürften die meisten der Bürger nicht wissen. Drei Hobbybrauer haben sich zusammengetan, brauen pro Jahr einige Liter Bier für den Hausgebrauch und tauschen dieses Bier mit anderen Hobbybrauern in Deutschland aus.

Es ist 8 Uhr morgens am Hof des Dietkircheners Georg Muth. Ihm zur Seite steht der letzte Auszubildende der Brauerei Busch, Andreas Schwickert, der das Brauerhandwerk von der Pike auf gelernt hat. Der Dritte im Bunde, Alfred Wirth, fehlt: wegen einer Motorradtour an diesem Tag.

"Hopfen und Malz, Gott erhalt's", sagt der Volksmund und diese beiden Getreidearten sind auch der Hauptbestandteil des Bieres, das in Dietkirchen natürlich nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wird. Mit einer Ausnahme: In Dietkirchen wird auch das "Irish Stout" gebraut. Dieses Bier enthält unter anderem geröstete Gerste und Gerstenflocken.

Die beiden Hobbybrauer gehen unter den kritischen Augen einiger Interessenten ans Werk. Sie vermengen das geschrotete Malz mit heißem Wasser. Das Malz bleibt ungefähr eineinhalb Stunden in unterschiedlichen Temperaturen im Wasser. Bei jeder Temperaturstufe werden andere Enzyme aktiv und zerlegen die Stärke in Zucker. Über den entstanden Maischekuchen wird dann heißes Wasser gegossen, um den Zucker möglichst restlos zu lösen. Wieder geht die Spielzeit eines Fußballspiels zu Ende. Doch bis das Bier zum Bier wird, dauert es noch. Dann wird die Würze ein bis zwei Stunden gemeinsam mit dem Hopfen gekocht. Der abschließende Hauptgang beendet das Brauverfahren gegen 18 Uhr.

Dann muss das in Flaschen oder Fässer abgefüllte Bier muss lagern. Am besten, je nach Biertyp, zwei bis acht Wochen. Erst danach folgt das Verkosten . Eine entscheidende Rolle beim Bierbrauen spielt natürlich das Wasser. Limburger Wasser ist laut Aussage von Andreas Schwickert wenig geeignet, weil es zu kalkhaltig ist. Die drei Dietkirchener Hobbybrauer empfehlen, enthärtetes Stadtwasser zu benutzen. Die Hefe beziehen die Braukünstler aus England. Hier soll die für das Bierbrauen benötigte Hefe am Besten sein. Im bayerischen Weihenstephan könne man jedoch ähnlich gute Hefe beziehen. Georg Muth, Andreas Schwickert und Alfred Wirth haben Rezepte mittlerweile selbst kreiert und bekunden dies mit stolz geschwellter Brust. Brunnen-Bräu Pils, Brunnen-Bräu Malztrunk, Brunnen-Bräu Roggen Pils, Brunnen-Bräu Lubentius Starkbier, Brunnen-Bräu Stiftsherren Dunkel und Brunnen-Bräu Irish Stout, das sind die Sorten, die in Dietkirchen gebraut werden.

Beim Historischen Markt war das Bier aus dem Hause Muth ein Renner. Auch der Limburger Bürgermeister und dessen Amtsollege aus der englischen Partnerstadt Lichfield waren begeistert. Johannes Michel aus Offheim und Dirk Wagner aus Eschhofen sind ebenfalls leidenschaftliche Brauer und waren am "Brautag" unter den Gästen.